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Alt 24.03.2015, 19:30
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manfredissimo
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Das Ende der Dino-Saugier ...

Turbotriebwerk gegen Saugmotor

Bis auf ein wenige Ausnahmen ist es schon passiert: Der Hochleistungs-Saugmotor ist ausgestorben. In vielen Sportwagen wurde er bereits ersetzt: Gegen ein Turbo-Aggregat. Wir zeigen Ihnen, in welchen Sportler die Brennräume bereits zwangsbeatmet werden. Friedrich Nitzschke, Ex-Chef der BMW M GmbH, hat es prophezeit: "Am Turbo kommt man heute nicht mehr vorbei.“ Und hier stehen wir heute also. BMW M hat keinen einzigen Saugmotor mehr im Programm. Doch der Münchner Hersteller ist nicht der einzige Hersteller, der nun auf aufgeladene Triebwerke setzt. Wir haben alle Sportwagen herausgekramt, die in ihrer aktuellsten Version auf den Turbo setzen, und vorher ein frei atmendes Aggregat unter der Haube hatten.

VW Golf R32/R
An diesen bollernd-trommelnden Auspuffsound können Sie sich noch erinnern, oder? Der 3,2-Liter große, 250 PS starke VR6-Motor (Kennung: BUB) im VW Golf der fünften Generation begeisterte vor exakt zehn Jahren alle Klangfetischisten. Aber: Dieser R32 war im Supertest stets langsamer als sein Vorgänger. Vielleicht war auch das Grund genug für die R GmbH, beim Nachfolger auf Turbopower zu setzen. Der Golf VI R leistet 20 PS mehr als der R32, sprich 270 PS. Beim allerneusten Modell der siebten Generation sind es runde 300 PS aus dem weltweit bekannten 2.0 TFSI der EA888-Familie. Im Supertest kann diese Generation endlich auch zeiten- und gewichtstechnisch überzeugen. Nur klanglich vielleicht nicht ganz so wie das charismatische, aber saufende VR6-Aggregat. Der Saugmotor im VW Golf V R32 war (soundtechnisch) eines der charismatischsten Triebwerke seiner Zeit. Er verhalf dem Golf zu Fahrleistungen, die einem Sportwagen ähnlich waren. 250 PS aus 3,2 Litern Hubraum waren 2005 "State of the Art". Doch der große Motor hatte mehrere Nachteile: Er verlagerte das Gewicht zu sehr auf die Vorderachse, und er hatte einen gewaltigen Durst (NEFZ: 9,7 Liter). Das in Kombination mit den EU-Abgasvorschriften brachte VW dazu, einen Turbomotor im Nachfolger zu verbauen. Das auf der EA888-Motorenfamilie aufbauende Golf R-Triebwerk verfügt nur über zwei Liter Hubraum, ist jedoch mit 300 PS (im aktuellsten Modell) ungleich stärker als der Sechszylinder im Vorgängermodell. Plus: Der VW Golf VII R ist endlich das fahraktive Auto, das wir uns wünschen. Auch der Verbrauch konnte auf 7,1 Liter gesenkt werden. Während der Verbrauch unter Volllast auf der Rennstrecke ähnlich hoch ist, trinkt der Golf im Zyklus und im Alltagsbetrieb deutlich weniger. Das ist der eigentliche Grund des aktuellen Downsizing-Trends.

(...)

Aufgeladene Motoren sind die Zukunft, oder?

Bisher hat einzig und allein Lamborghini keine Anstalten gemacht, auch nur das Wort "Turbo" auszusprechen. Ihre aktuellen Modelle, der Huracan und der Aventador, brüllen weiterhin mit unverwässertem Saugmotorsound. "Daran soll sich in naher Zukunft nichts ändern," ließ Maurizio Reggiani, Entwicklungschef bei Lamborghini, verlauten. "Unsere Kunden wollen Saugmotoren, und wir halten dieses Konzept für das beste, wenn es um die Motorisierung von Supersportwagen geht." Turboaufladung sei nur bei starken Einschränkungen denkbar. Diese wären etwa noch härtere Emissionsgesetze oder höhere Besteuerung von hubraumstarken Fahrzeugen im Mittleren Osten. Anders bei Lamborghinis Muttergesellschaft im bayerischen Ingolstadt: Wie BMW und Mercedes wird auch Audi in Zukunft den RS-Mittelklassemodellen, sprich RS4 und RS5, die Aufladung verordnen. Momentan sind beide Sportler noch mit Saugmotor erhältlich. Der neue R8 bleibt der Verwandtschaft mit dem Huracan wegen dem V10-Sauger treu. Den V8 gibt es nicht mehr. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei Porsche ab. Auch hier haben wir Informationen, dass selbst die nächste Generation des 911 einen Turbomotor bekommt. Emissionsgesetze kennen auch vor Ikonen keine Gnade. Der 918 Spyder hat neben seinen beiden Elektromotoren übrigens einen V8-Saugmotor – und erreicht trotzdem im realitätsfernen Normzyklus einen Normverbrauch von 3,1 Litern. Vielleicht ist das ja die Zukunft, die wir uns wünschen.

Quelle: AMS, 24.03.2015
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